Der Künstler

Josef Zutelgte wurde 1958 in Telgte geboren. Nach seiner Schulzeit studierte er Kunst, Geografie, Erziehungswissenschaften und Sport an der Westf. Wilhelms-Universität, Münster. Nach einem Besuch der Sommerakademie “Art Students League”, New York, entschied er sich 1984 die Kunstakademie Münster zu besuchen. Bis 1986 studierte er dort in der Klasse von Prof. Norbert Tadeusz.

Durch ein Stipendium der National Foundation for the Advancement in the Arts arbeitete er für einige Zeit in Miami in Florida. Er gewann u.a. 1998 und 1999 den Preis des Art Development Committee, New York.

In einer Vielzahl von Einzel - und Gruppenausstellungen in Europa und den USA wurden seine Werke ausgestellt. Im Jahre 2000 zeigte das Museum Heimathaus Münsterland, Telgte, die Ausstellung „TELGTE.ZUTELGTE”.

Heute ist er neben seiner freiberuflichen Tätigkeit auch als Associated Assistant Professor an der Fashion Institute of Technology, New York, tätig und unterrichtet dort „Skulptur und Zeichnung“.

Atelier

Josef Zutelgte vor seinem Atelier in New York, Foto von Simone Thieringer


Gespräch mit dem Künstler

Seit rund 20 Jahren lebt und arbeitet Josef Zutelgte in New York. Die Stadt der Superlative inspiriert ihn zu kreativem Schaffen.

 

Was bedeutet es für Sie, eine Skulptur gerade für Telgte zu gestalten?

Ich bin in Telgte aufgewachsen und die Grundsteine meiner Persönlichkeit sind hier gelegt worden. Ich bin immer noch vertraut mit der Stadt und den Menschen, die dort leben, und weiß, wie sie ihr Leben gestalten. Ich kenne das Stadtbild, das Umland und die speziellen Lichtverhältnisse. Für mich war es ein Ansporn über diesen Ort nachzudenken und etwas für ihn zu gestalten. Generell ist der Prozess, eine Skulptur zu entwickeln und zu bauen, immer ähnlich. Hinsichtlich der Telgte Skulptur war jedoch der Anstoß sehr speziell. Neben den technischen Vorgaben waren da Gedanken an die Kindheit und das Erwachsenwerden, an Heimat und auch an Veränderung. Diese Gedanken haben mich speziell motiviert. Zurück zum Ursprung, ein Gefühl als schließe man einen Kreis.

 

Ihre Skulptur symbolisiert einen Baum, ist dieses Motiv speziell für Telgte entwickelt oder taucht es auch in anderen Ihrer Arbeiten auf?

Das Baummotiv war mein erster Gedanke, als ich an das Projekt dachte. Die Stadt ist von Grün umgeben und der Baum, die Eiche, kommt im Stadtwappen vor. Ein anderer Baum, die Linde, steht vielen Menschen in ihrem Glauben nahe und war einst Stadttorbaum. Mit meiner Skulptur wird ein weiterer Baum stadtbildprägend sein. Die Stahltelge bildet an anderer Stelle des Ortes ein neues und zeitgemäßes Element. In meiner Arbeit beschäftige ich mich sehr mit dem Leben, mit Menschen wie sie sich begegnen, wie sie kommunizieren und mit ihrem Umgang miteinander.

Foto

Josef Zutelgte bei der Modellauswahl am 17.10.2005, Foto von Simone Thieringer

 

Gleichfalls aber auch mit ihrem Verhältnis zur Natur und wie sie gestalterisch darin eingreifen. Für Telgte wollte ich etwas gestalten, das die Stadt und die Bürger beschreibt und nach außen repräsentiert. Ein Baum ist majestätisch und gleichzeitig fragil. Seine Formen sind kräftig, doch elegant. Er ist lebenswichtig für uns, spendet Schutz, verändert sich ständig unter dem Einfluss der Jahreszeiten. Immer wieder hat der Mensch sein Leben im Bild des Baumes gesehen. Das Wachsen, Blühen, Früchtetragen und schließlich das Welken und Vergehen. Mit dem Telgter Projekt habe ich mich zum ersten Male bewusst mit dem Baummotiv beschäftigt, doch wenn ich meine Arbeiten rückblickend betrachte, tauchen Baumelemente in vielen meiner Skulpturen auf.

 

Was bezeichnen Sie als Heimat?

Ich habe einmal gesagt: „Wenn man seine Heimat verlässt, kommt man seiner Heimat näher”. Da ich seit 20 Jahren mit vielen anderen Kulturen zusammenlebe, habe ich Abstand von meiner Heimat gewonnen. Ich habe viele positive Erfahrungen durch den Kontakt mit andersartigen Kulturen bekommen, habe gelernt, dass man Leben von verschiedenen Ausgangspunkten angehen kann. Doch gleichzeitig habe ich die Werte schätzen gelernt, die mir in meiner Heimat vermittelt wurden. Ich denke, Heimat liegt in einem selber, in all den Erfahrungen, welche man sammelt, welche man in sich lagert und welche Sinn machen, kreativ an der Gestaltung des persönlichen Lebensraumes und somit der Welt teilzunehmen.

 

War Ihre Arbeit an der Telgter Skulptur anders als Ihr normaler Arbeitsprozess?

Ja. Es ist bisher die größte Skulptur, die ich je gestaltet habe. Sie ist für einen bestimmten Ort vorgesehen und soll eine permanente Installation sein. Bisher wurden all meine Skulpturen an Orten gezeigt, die die Besucher aufsuchen, um Kunst zu erleben. Dieses ist mein erstes Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Es gestaltet einen Kreisverkehrsinnenraum. Man sucht diesen Ort nicht auf um Kunst zu betrachten, sondern begegnet der Kunst eher zufällig auf der Durchreise oder auf dem Weg zur Arbeit. Es bleibt nicht viel Zeit um die Skulptur zu betrachten, da man in Bewegung ist. Aus diesem Grunde habe ich andere Maßstäbe bei der Entwicklung der Skulptur angesetzt. Ich wollte ein einfaches, klares Motiv, das auch bei kurzem Betrachten wahrgenommen werden kann. Ich wollte, dass es dem Charakter des Kreises gerecht wird und meine Intention war, etwas zu schaffen, das aus den unterschiedlichen Blickwinkeln interessant ist.

Foto

Herstellung der Telge bei der Firma Münstermann am 26.04.2006, Foto von Simone Thieringer

 

Sie sagten einmal, dass Ihre Skulpturen ein Geschenk an die Betrachter sind. Was wollen Sie ihnen geben?

Meine Skulpturen sind eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit mir und meiner Umwelt: Meine Sprache als Bildhauer ist Linie, Form, Fläche sowie Überschneidungen und ich benutze diese Sprache um Gefühle, Erfahrungen und Gedanken darzustellen. Das Resultat ist eine Skulptur, die auf jeden Betrachter anders wirkt. Ich möchte ihm meine Information geben und er kann sich daran erfreuen oder sie auch ignorieren. Doch ich wünsche mir, es inspiriert ihn und regt ihn an zu eigenständigen Gedanken.

 

Für die Telgter Bürgerinnen und Bürger beginnt die Auseinandersetzung mit der Skulptur vornehmlich erst jetzt, nach der Aufstellung. Wie schätzen Sie die Resonanz ein?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir immer schnelle Befriedigung und Antworten haben wollen. Aber die Antwort auf viele Fragen liegt in uns selber und wir müssen uns Zeit geben, sie zu finden. Ich war positiv überrascht in Telgte auf Menschen zu treffen, die offen waren für meine Ideen und sich die Zeit genommen haben sie auf sich einwirken zu lassen.
Skulpturen zu verstehen und kennen zu lernen kann man mit dem Kennenlernen von Menschen vergleichen. Man muss sich Zeit geben und sie in verschiedenen Situationen auf sich wirken lassen. Es bedarf einer gewissen Bereitschaft, sich überraschen zu lassen. Ich möchte mich an dieser Stelle bedanken, speziell bei Simone Thieringer, dafür, dass sie den Stein ins Rollen gebracht hat und für ihr Engagement, das sie in das Projekt investiert hat, bei Dr. Meendermann, der meine Arbeit mit Offenheit und Weitsicht begrüßt hat und bei Herrn Ginski, der meine Idee aufgenommen hat und mir mit guten Ratschlägen zur Seite stand.
Für die professionelle Verwirklichung meiner Idee bedanke ich mich besonders auch bei der Firma Münstermann.

Foto

Herstellung der Telge bei der Firma Münstermann am 06.06.2006, Foto von Simone Thieringer

 

Impressum